Heta-Gläubigerpool lehnt Angebot Kärntens ab
Nachdem bekannt wurde, dass der größte Gläubigerpool der Heta das Angebot Kärntens die landesbehafteten Anleihen zu einem Kurs von 75 rückzukaufen abgelehnt hat, steht für den Finanzplatz Österreich viel auf dem Spiel.
Die besagte Gläubigergruppe vertritt nämlich Investoren mit einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro, ausreichend also um die sogenannte 2/3 Lösung laut Hold Out Gesetz (wir haben berichtet, siehe Hot Topic ÖSTERREICH: Finanzmarkt(IN)stabilitätsgesetz?) zu verhindern. Laut dem Gesetz hätte die Zustimmung zu einem Haircut von 2/3 der Investoren nämlich dazu geführt, dass dieser für das verbleibende 1/3 zwangsweise vollstreckt wird.
Nun da klar zu sein scheint, dass sich keine Mehrheit von 2/3 der Anleihengläubiger auf einen solchen Deal mit Kärnten und der Republik einlassen, verbleiben drei Möglichkeiten:
- Kärnten bedient die Schulden nicht und riskiert eine rechtlich nicht abgesicherte Insolvenz. Die Auswirkungen auf den Finanzplatz Österreich, das Rating der Republik und die Ratings österreichsicher Bundesländer wären grob gefährdet. Dies würde dazu führen, dass sich Bundesländer ausschließlich über die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur finanzieren können, da für sie der Weg der zum Kapitalmarkt voraussichtlich für Jahre verschlossen bleibt. In diesem Szenario müsste selbst die Republik deutlich steigende Zinssätze für die Begebung von Anleihen in Kauf nehmen.
- Kärnten führt, mit Rückendeckung der Republik, Verhandlungen mit Gläubigern und versucht eine 2/3 Mehrheit für eine Quote mit Abschlag zu finden. Dies würde Verhandlungsstärke sowohl von Kärnten als auch der Republik unter Beweis stellen, und könnte den Ruf österreichischer Bonität international zumindest etwas stärken.
- Eine Allianz zwischen der Republik und aller neun Bundesländer nimmt sich der Thematik an, und versucht die Last untereinander aufzuteilen. Eine gerechte Verteilung gibt es dabei nicht. Die Lösung würde aber österreichische Solidarität an den Tag bringen, und Solidarität ist es, was Vertrauen in einen internationalen Finanzplatz letzendes ausmacht. Die Aufteilung der Last zwischen mehreren Akteuren, nämlich der Republik, Kärntens, und den restlichen Bundesländern hätte zur Folge, dass Gebietskörperschaften klar unter Beweis stellen füreinander einzustehen. Ein solches Vorgehen wird nicht nur von Investoren positiv bewertet, die langfristigen Auswirkungen spiegeln sich auch in veröffentlichten Ratings wider.
Es ist kein Zufall, dass deutsche Länder im Vergleich zu österreichischen Bundesländern im Schnitt höhere Ratings aufweisen, und das bei durch-die-Decke schießenden Schuldenständen. Einer der Gründe dafür ist Solidarität.
In der aktuellen Thematik Österreichs gilt also auch, dass nur Solidarität Vertrauen schafft. Alles andere ist eine Einbahnstraße.
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